Wenn Krankenhäuser geschlossen werden sollen, löst das bei vielen Menschen vor Ort verständlicherweise große Sorgen aus. Die Grüne Kreistagsfraktion im Kreis Kleve nimmt diese Ängste sehr ernst, positioniert sich aber dennoch klar für die geplanten Veränderungen in der Krankenhauslandschaft. Der Grund: Die Schließung der stationären Angebote in Goch und Kevelaer und der gleichzeitige Ausbau in Kleve und Geldern werden die medizinische Versorgung für alle Menschen im Kreis spürbar verbessern.
Bessere Versorgung vor Ort statt weiter Wege in andere Städte Auf den ersten Blick mag es unlogisch klingen, dass weniger Krankenhäuser zu kürzeren Wegen führen. Doch genau das ist hier der Fall. Durch die Bündelung der Angebote an den beiden Standorten in Kleve und Geldern können diese zu hochspezialisierten Zentren (sogenannten Schwerpunktversorgern) ausgebaut werden. Sie erhalten zusätzliche medizinische Fachabteilungen und Kompetenzen.
Bislang ist es oft so, dass Patientinnen und Patienten bei schwereren oder komplexen Notfällen in weiter entfernte Kliniken in Nachbarkreisen oder gar bis ins niederländische Nijmegen gefahren werden müssen, weil das Angebot vor Ort nicht ausreicht. Wenn Kleve und Geldern nun deutlich aufgewertet werden, finden viel mehr Behandlungen direkt im Kreis Kleve statt. Das bedeutet am Ende: Der Rettungsdienst muss deutlich seltener aus dem Kreis herausfahren und Verlegungen von einem kleinen Krankenhaus ins nächste werden reduziert. Zudem begrüßt die Fraktion ausdrücklich die Zusage, dass es durch den Umbau keine betriebsbedingten Kündigungen geben soll und die Beschäftigten aus Goch und Kevelaer mindestens gleichwertige Jobangebote erhalten.
„Wir verstehen, dass die Pläne im ersten Moment beängstigend wirken können“, erklärt Judith Erichlandwehr, Vorsitzende der Grünen Kreistagsfraktion. „Aber wenn wir ehrlich sind, brauchen wir bei ernsten Erkrankungen nicht das nächste, sondern das beste Krankenhaus. Indem wir unsere Kräfte in Kleve und Geldern bündeln, holen wir eine viel höhere medizinische Qualität in den Kreis Kleve. Wir ersparen den Menschen künftig weite Fahrten in andere Regionen, weil wir die Spezialisten dann direkt bei uns haben.“
Ambulante Versorgung und Rettungsdienst sichern Wichtig ist den Grünen, dass Goch und Kevelaer nicht leer ausgehen. An den dortigen Standorten gibt es bereits viele ambulante Angebote, deren Ausbau der modernen medizinischen Entwicklung entspricht. Die Menschen in Goch und Kevelaer haben ein Recht darauf, nun auch schnell Klarheit zu bekommen, wie diese neuen Gesundheitszentren vor Ort konkret aussehen und finanziert werden. Damit im Notfall schnell Hilfe kommt, setzt sich die Fraktion zudem dafür ein, dass der Rettungsdienst im Kreis Kleve weiterhin dezentral verteilt ist und kurze Fahrzeiten garantiert.
Gefährliche Sparpläne des Bundes bedrohen den Umbau So überzeugend das medizinische Konzept im Kreis ist, so groß ist die Kritik der Grünen an der Bundespolitik. Die Fraktion warnt eindringlich davor, dass die jüngsten Sparpläne der Bundesregierung den Krankenhäusern massiv schaden. Wenn dem Krankenhausträger mitten in diesem gewaltigen Umbau das Geld ausgeht, droht die Insolvenz. In einem solchen Fall landet der Druck sofort beim Kreis, der dann mit Millionenbeträgen aushelfen soll, um die Versorgung zu retten. Wie schnell so etwas passieren kann, hat die Insolvenz des Krankenhauses in Emmerich schmerzhaft gezeigt.
„Der Bund zwingt die Krankenhäuser zu einer gewaltigen Kraftanstrengung, aber lässt sie bei den Kosten im Regen stehen“, kritisiert David Krystof, der Co-Vorsitzende der Grünen Kreistagsfraktion. „Diese Politik aus Berlin ist fahrlässig. Wir erwarten von Bund und Land, dass sie diesen für uns so wichtigen Umbau verlässlich und ausreichend finanzieren. Es kann nicht sein, dass eine solche Reform am Ende die Kassen unserer Kommunen plündert, weil die Krankenhäuser in die Pleite rutschen.“