Sehr geehrter Herr Landrat Gerwers,
die zunehmende Häufigkeit und Intensität von Hitzewellen stellen eine ernstzunehmende Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung dar, insbesondere für vulnerable Gruppen wie ältere Menschen und chronisch Kranke. Laut Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) werden in Deutschland in den Sommermonaten 2026 schätzungsweise knapp 16.000 Menschen an den direkten oder indirekten Folgen der Hitze verstorben (Quelle: https://www.rki.de/DE/Themen/Gesundheit-und-Gesellschaft/Gesundheitliche-Einflussfaktoren-A-Z/H/Hitze/Bericht_Hitzemortalitaet.html).
Zur genaueren Einschätzung der Lage im Kreis Kleve, bitten wir die Kreisverwaltung um die Beantwortung der folgenden Fragen:
1. Statistiken und Auffälligkeiten
- Wie viele hitzebedingte Todesfälle wurden im Kreis Kleve in den diesjährigen Sommermonaten registriert? Wie hoch war die Übersterblichkeit im Kreis Kleve speziell in den sehr heißen Tagen z.B. Ende Juni dieses Jahres? Wie war die Übersterblichkeit im Kreis Kleve in den Sommermonaten im Vergleich zu den Vorjahren?
- Gibt es hierbei lokale Häufungen oder besondere Auffälligkeiten, beispielsweise in spezifischen Alten- und Pflegeheimen oder in anderen Einrichtungen?
2. Infrastruktur und baulicher Hitzeschutz
- Liegen der Kreisverwaltung Daten darüber vor, wie viele Alten- und Pflegeheime, Krankenhäuser sowie vergleichbare Einrichtungen im Kreisgebiet in allen Bewohnerzimmern über Klimaanlagen oder ausreichend dimensionierte passive Kühlsysteme verfügen?
- Wie stellt sich die Situation hinsichtlich der Ausstattung mit Klimaanlagen oder Kühlsystemen in weiteren besonders gefährdeten Bereichen, wie dem Betreuten Wohnen, dar?
3. Umsetzung des Hitzeschutzplans
- Im Hitzeschutzplan werden für die Jahre 2025 und 2026 spezifische geplante Maßnahmen genannt. Welche dieser Maßnahmen wurden bereits erfolgreich umgesetzt?
- Welche Maßnahmen konnten noch nicht umgesetzt werden? Wir bitten um eine kurze Darlegung der Gründe sowie um die Nennung eines aktualisierten Zeitplans für deren Umsetzung.
- Ist vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen eine zeitnahe Aktualisierung oder Fortschreibung des Hitzeschutzplans vorgesehen?
4. Prävention und Zuständigkeiten
- Wie bewertet die Kreisverwaltung die generelle Vorbereitung des Kreises Kleve auf künftige, möglicherweise noch extremere Hitzewellen?
- Welche konkreten Maßnahmen kann der Kreis im Rahmen seiner eigenen Zuständigkeit ergreifen, um den Hitzeschutz kurzfristig weiter zu verbessern?
- Welche Maßnahmen außerhalb der direkten Kreis-Zuständigkeit (z. B. auf kommunaler Ebene der Städte und Gemeinden oder auf Landesebene) erachtet die Verwaltung als am wirksamsten, um die Zahl der Hitzetoten zukünftig signifikant zu senken? Wie kann der Kreis diese Maßnahmen anstoßen, fördern oder koordinieren?
5. Ergänzende Fragen zur Sensibilisierung und Akuthilfe
- Gibt es Maßnahmen, dass bei akuten Hitzewarnungen des DWD vulnerable Gruppen sowie ambulante Pflegedienste und pflegende Angehörige schnell und flächendeckend informiert werden – unabhängig von Presse und Social Media?
- Gibt es kreisweite Initiativen zur Schaffung von sogenannten „Kühlen Orten“ sowie zur weiteren Installation von öffentlichen Trinkbrunnen, in Zusammenarbeit mit den kreisangehörigen Kommunen? Wie wird die bestehende Kartierung der Kühlen Orte (Klimakarte) beworben? Wie oft wurde in den letzten drei Monaten jeweils auf der Seite Hitzeempfehlungen auf den Link zur Klimakarte geklickt? Wie waren die Aufrufzahlen für die Klimakarte insgesamt in den Monaten Juni, Juli und August?
- Werden spezifische Schulungen oder Informationskampagnen zum Thema Hitzeschutz für das Personal in Gesundheits- und Pflegeberufen vom Kreis angeboten oder gefördert?
Mit freundlichen Grüßen