Pressemitteilung. Die Sprecher*in von Bündnis 90/Die Grünen Kreisverband Kleve – Antje Engler-Janßen und Dr. Volkhard Wille: „Wir lehnen einen Wiedereinstieg in die Atomkraft entschieden ab, weil Kernenergie ein hohes Sicherheitsrisiko, ungelöste Entsorgungsprobleme und wirtschaftliche Fehlanreize mit sich bringt. Auch der Bau von Small Modular Reactors (SMR) in den benachbarten Niederlanden ist aus grüner Sicht abzulehnen, insbesondere in Grenz- und Verdichtungsräumen wie der Rhein-Ruhr-Region. Der konsequente Ausbau der erneuerbaren Energien und der ergänzende Aufbau einer Speicherstruktur ermöglicht uns eine kostengünstige, sichere und umweltverträgliche Energieversorgung“.
Sicherheit vor Scheinlösungen
Die Kernenergie bleibt eine Technologie mit potenziell katastrophalen Folgen für Mensch und Umwelt; die Erfahrungen von Tschernobyl und Fukushima zeigen, dass schwere Unfälle nie vollständig auszuschließen sind. Das Bundesamt für Strahlenschutz weist zudem darauf hin, dass auch nach dem deutschen Atomausstieg Risiken fortbestehen und in Nachbarländern aktive oder geplante Anlagen in Grenznähe besondere Vorsorge erfordern.
SMR werden oft als sicherere Alternative beworben, doch die Praxis und aktuelle Bewertungen sprechen dagegen. Es fehlen belastbare Langzeitdaten, und bei einer Verbreitung vieler kleiner Anlagen steigen Komplexität, Genehmigungsaufwand und das Gesamtrisiko statt zu sinken.
Atommüll bleibt ungelöst
Atomkraft erzeugt hochradioaktiven Abfall, für den es weltweit keine politisch und technisch unstrittige Endlösung gibt. Die Endlagersuche in Deutschland wird nach heutigem Stand noch Jahrzehnte dauern, was zeigt, dass die Nutzung von Atomkraft langfristige Lasten für viele Generationen hinterlässt.
Auch SMR ändern daran nichts. Sie produzieren ebenfalls radioaktive Abfälle und verschieben das Entsorgungsproblem nicht nur in die Zukunft, sondern potenziell auf mehr Standorte und mehr Transporte.
Wirtschaftlich nicht sinnvoll
Ein Wiedereinstieg in die Atomkraft ist auch ökonomisch nicht überzeugend. Nach aktuellen Einschätzungen sind SMR im Augenblick nicht kostengünstig, sondern nur bei sehr hohen Stückzahlen überhaupt denkbar; ohne massive staatliche Förderung bleiben sie unwirtschaftlich.
Gleichzeitig bindet Atomkraft Kapital, Fachkräfte und politische Aufmerksamkeit, die für den Ausbau erneuerbarer Energien, Netze, Speicher und Effizienzmaßnahmen dringend gebraucht werden. Aus grüner Sicht ist es klüger, in Technologien zu investieren, die schneller, sicherer und flexibler verfügbar sind.
Grenzregion schützen
Der geplante Ausbau der Kernenergie in den Niederlanden ist für die angrenzenden deutschen Regionen kein rein nationales Thema. Wenn Standorte in Grenznähe oder in sensiblen Räumen geprüft werden, betreffen mögliche Störfälle, Evakuierungsplanungen und Umweltfolgen unmittelbar auch Nordrhein-Westfalen.
Gerade deshalb ist eine politische Ablehnung von SMR-Projekten im Nachbarland sachgerecht. Für eine dicht besiedelte und wirtschaftlich verflochtene Region sind zusätzliche nukleare Risiken nicht verantwortbar, zumal auch aus grüner Sicht die grenzüberschreitenden Folgen von Störfällen und der zusätzliche Entsorgungsdruck nicht hinnehmbar sind.
Grüne Alternative
Bündnis 90/Die Grünen setzen auf einen beschleunigten Ausbau von Windenergie, Solarenergie, Netzen, Speichern und Effizienz. Diese Strategie ist sicherer, schneller skalierbar und vermeidet die jahrzehntelangen Altlasten der Atomkraft.
Die energiepolitische Aufgabe der Gegenwart ist nicht der Wiedereinstieg in eine gefährliche und teure Hochrisikotechnologie, sondern der konsequente Ausbau einer erneuerbaren, dezentralen und europäischen Energiewirtschaft. Deshalb sind sowohl neue Atompläne in Deutschland noch SMR-Projekte in den Niederlanden politisch abzulehnen.