Antrag zur Sitzung des Kreistages am 26.03.2026; hier: Dauerhafter Erhalt und bedarfsgerechte Finanzierung der Integrationsinfrastruktur im Kreis Kleve – Fachkräftesicherung, Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und Schutz der Trägerlandschaft

Sehr geehrter Herr Gerwers,

wir beantragen den dauerhaften Erhalt sowie die Sicherstellung einer ausreichenden Finanzierung der Integrations- und Sprachkursangebote im Kreis Kleve.

Wir bitten die Kreisverwaltung daher,

  1. Aktiv den Dialog mit den Kursträgern im Kreis zu suchen, um den drohenden Abbau von Kapazitäten zu verhindern und die bestehende Infrastruktur sowie das Fachpersonal der Träger zu sichern.
  2. Frühzeitig zu identifizieren, wo Bundesmittel wegbrechen, und gemeinsam mit den Kommunen nach nachhaltigen Lösungen zu suchen, um die Trägerlandschaft vor dem Kollaps zu bewahren.

Integration ist im Kreis Kleve kein reines Sozialthema, sondern auch ein Wirtschaftsfaktor. Der Erhalt der Kursinfrastruktur ist eine unverzichtbare Investition in die Zukunft unserer Betriebe und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Begründung:

Die Integrationsarbeit des Kreises Kleve wurde vonseiten der Landesregierung NRW im Rahmen der landesweiten „Chancentour“ offiziell als „Best-Practice-Beispiel“ gewürdigt. Besonders hervorgehoben wurde dabei die vorbildliche Kooperation zwischen dem Kreis Kleve und den Kommunen im Bereich des Kommunalen Integrationsmanagements (KIM). Um diesen landesweit beachteten Standard zu halten, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und eine echte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen sowie die wirtschaftliche Dynamik zu sichern, ist eine verlässliche und flächendeckende Kursstruktur unverzichtbar.

Ein besonderes Augenmerk muss dabei auf der spezifischen demografischen Struktur unseres Kreises liegen: Zum 31.12.2024 lebten hier 67.510 Personen mit ausländischem Pass. Davon stammt mit fast zwei Dritteln die große Mehrheit aus EU-Mitgliedstaaten.

Diese Menschen unterliegen in der Regel keiner gesetzlichen Verpflichtung zur Teilnahme an Integrationskursen. Dennoch sind sie die tragende Säule des lokalen Arbeitsmarktes bei uns im Kreis Kleve – vom landwirtschaftlichen Sektor über die Logistik bis hin zum Handwerk. Ohne passgenaue, niederschwellige Sprachangebote riskieren wir, dass diese für den Kreis Kleve essentiellen Fachkräfte ihr berufliches Potenzial nicht voll ausschöpfen können, sowie eine hohe Fluktuation für die Betriebe. Das heißt, dass Arbeitskräfte unseren Kreis aufgrund fehlender gesellschaftlicher Anbindung wieder verlassen.

Der fatale Wegfall der BAMF-Mittel bedroht die Existenz der Träger: Die aktuelle Kürzungspolitik auf Bundesebene hat für den Kreis Kleve verheerende Folgen. Durch den massiven Wegfall dieser Mittel stehen die über Jahre mühsam aufgebauten Trägerstrukturen vor dem Abbruch. Wenn Kursträger aufgrund fehlender Planungssicherheit Standorte schließen und qualifiziertes Personal entlassen müssen, entsteht ein dauerhafter struktureller Schaden.

Einmal abgewanderte Lehrkräfte und aufgelöste Netzwerke lassen sich bei künftigen Bedarfen nicht kurzfristig reaktivieren. Ein Wegbrechen dieser Infrastruktur würde die bisher so erfolgreiche Integrationsarbeit im Kreis Kleve um Jahre zurückwerfen und für Gesellschaft wie Wirtschaft einen reellen Schaden verursachen.